Sluggo & Phil: Kreidekunst von David Zinn 4. Februar 2018 – Veröffentlicht in: Allgemein

Kreidekunst – ein Medium, mit dem jeder von uns etwas anfangen kann. Ob im Kindesalter vor der eigenen Haustür, indem die Eltern einen ohne Ende malen ließen oder in der heutigen Zeit, wenn der Bordstein zu einer “open air“ Galerie von Künstlern genutzt wird.

Die Intention der Eltern und der Künstler von damals und heute ist zu meist gleich und mit dem ersten Regen verschwindet das Bild bzw. die Kunst. Keine Strafen und kein Gemecker. Als Kind denkt man natürlich noch lange in solchen Dimensionen somit stellt sich die Frage, wo ist der Anreiz für Künstler, öffentliche Flächen mit Kreide zu bemalen?

Einen expliziten Einblick in diese Welt erlaubt uns David Zinn in seinem Buch “Sluggo & Phil“ – Kreidekunst.

 

Die Werke von David sind seit Jahren ein fester Bestandteil der Street- und Urban Art Welt. Auch wenn er zumeist in seiner unmittelbaren Nachbarschaft im Bundesstaat Michigan – USA die Kreide schwingt, erhalten wir einen sehr guten Einblick über die sozialen Netzwerke. Da seine Motive zum Teil relativ “simple“ sind, werden diese auch immer mal wieder kopiert. Der Bordstein in Michigan gleicht dann dem Bordstein in Barcelona.

Das Buch zeigt nicht nur eine Auswahl der Werke der letzten Jahre. David beschreibt kurz und knapp wie er zu dem Medium Kreide und der Nutzung von öffentlichen Flächen kam.

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Auszug David Zinn

Leere Leinwände sind für unser Auge auf der Straße nicht sichtbar. Aber auch genau das ist ein blanker Bürgersteig für uns. Der erste Strich ob auf einer Leinwand, einem Blatt Papier oder einem Bürgersteig nichts ist schwieriger. Wo setzt man an, wie dick soll der Strich werden, usw.

Trotz dieser Ängste hat David genau das Problem nicht mehr. Mutter Natur eilt ihm nämlich zur Hilfe mit Regen oder Schnee. Stunden nach Fertigung des Bildes kann das Kunstwerk wieder Geschichte sein. Es bleibt zwar ein Bild in den sozialen Netzwerken aber damit kann und muss man Leben. Viel einfacher als jeden Tag direkt vor der Haustür damit konfrontiert zu werden.

Weiter im Text kommen wir den beiden Namen des Buches und ihrer Herkunft auf die Spur. Kleiner Spoiler vorab; Schweine können ab und an doch fliegen und Augen in einem runden Kreis zu integrieren ist ab und an doch ein großes Problem.

Nach ein paar Beispielbildern erfahren wir ebenfalls, wie 3-D Straßenkünstler oder auch Bodenmaler arbeiten und die Suche nach einem perfektem Spalt, einer Grube oder der perfekten Mauer mehr Zeit einnimmt als die Zeichnung selbst. Ab und an reicht bereits ein Pfeiler oder gar ein Bierdeckel auf dem Tisch in einer Bar, der kurz um zum Ausgangspunkt von Davids Kunst wird.

Auszug David Zinn

Auszug David Zinn

Wir hatten mit den Insights und vor Allem den Bildbeispielen sehr viel Spaß und können das Buch wärmstens empfehlen, wenn man sich für den Werdegang von David oder der illustrierten Ansammlung seiner Werke interessiert. Besonders seine einleitende Aussage hat unsere Zustimmung gefunden:

„[…] dies ist für mich der größte Zaubertrick der Kunst. Man muss nicht wissen was man tut, damit das Resultat wirkungsvoll ist. […] je weniger man versucht Botschaften in seine Kunst zu verpacken, umso mehr Platz für andere, für sich selbst eine Bedeutung daraus zu ziehen.“

– David Zinn –

 

#Basch