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7 Tage THE HAUS

Seit einer Woche hat THE HAUS jetzt offen und die Warteschlangen scheinen nicht abzubrechen.

Als ich letzten Sonntag Mittag, 02.04., da war, wartete ich etwa 1 Stunde 20 Minuten. Ehrlich gesagt hätte ich trotz der großen medialen Aufmerksamkeit (Kulturjournal, zitty, andere Fernsehberichte) nicht mit DEM Ansturm gerechnet. Aber man darf ja auch mal naiv sein.
Bei schönem Wetter in Westberlin warten – kein Problem, wenn man vorbereitet ist mit Snacks und Getränken oder Kreuzworträtseln, dem Lieblingsroman oder einfach nur Geduld.
Ein Eiswagen hatte sich direkt vorm Eingang positioniert und die Jungs von THE HAUS haben auch Wasser ausgeschenkt. Sehr nette Gastgeber schon vor der Tür.
Das Eintüten der Handys hat bei einigen der Besucher für Irritation gesorgt und in THE HAUS hörte ich auch mal eine kleine Diskussion. diesbezüglich. Aber: Was macht ihr mit all euren Handyfotos? Für mich fallen 90% davon in die Kategorie “Bilder, die die Welt nicht braucht” – das ist meine Meinung nur am Rande.
THE HAUS: einmal drin geht es direkt los. Das ganze Haus ist Kunst. Es wurde wirklich kein Fleckchen ausgelassen. Jeder der 165 Künstler findet seinen Raum. Laut offizieller Angabe sind das 108 – sind da die Gänge und Klos mitgezählt? Alles ist Kunst und es ist ein Erlebnis, was sehr gut funktioniert, dadurch, dass der Zugang jeweils nur 199 Menschen gestattet ist. So kommt es nicht zum Gedränge und die Crew gibt sich auch immer Informationen durch, wie es auf den einzelnen Ebenen aussieht.

Kunst ist überall und du wirst selbst davon in Besitz genommen, weil du ihr nicht ausweichen kannst. Dadurch, dass du dich während des ganzen Aufenthalts in Kunstwerken bewegst. Es ist spannend, wie unterschiedlich sich die Künstler mit dem Objekt auseinandersetzen und einbringen. Die einen schaffen komplett neue Räume, andere nutzen mehr oder minder nur die Wände. Die Vielfalt tut gut und erschlägt erstaunlicherweise nicht. Ausreichend Zeit drinnen sollte man auf jeden Fall einplanen.
Neben international bekannten Künstlern wie Herakut oder Case Maclaim, Innerfields, deerBLN und Quintessenz, um nur einige zu nennen, sind neben den Locals auch Künstler mit dabei, von denen man vorher noch nix gehört oder gesehen hat. Es ist ein ausgewogener, spannender Mix aus Street Art, Graffiti, Tape Art, Skulpturalem, aus kritischer, zum Nachdenken anregender, fantastischer, futuristischer und auch durchaus lustiger Kunst.
Du spürst förmlich den Luftzug der U-Bahn, wenn du die Installation von Rocco und seine Brüder siehst. Ein Stück Tunnel, ein wahrer Ausschnitt. Sie rufen dazu auf, was vielleicht einer der Grundsätze von Kunst ist “We are not welcome but we make the world our own.”
Herakut hingegen lädt in eine Art Schaukasten, zeigt einen Teil der Lebensbühne und ruft dazu auf, unsere Kinder das richtige zu lehren: “teach your kids love. or someone else will teach them hate.”
Auch andere Künstler setzen sich mit den aktuellen politischen Themen und Mensch und Umwelt auseinander.
Die Künstler Señor Schnu oder auch Laurus und Demut führen uns in die Natur und zeigen durch diese Konfrontation, wie sehr wir von Medien und technischen Geräten in Besitz genommen werden. Ihre Räume deuten die Rückeroberung der Natur nicht nur an, sie rufen dazu auf.

THE HAUS bietet viele Blickwinkel und schafft mit seiner unglaublichen Vielfalt ein großes Maß an Gedankenräumen. Es ist gut, das alles bewusst wahrzunehmen, ohne den Blick auf das Handydisplay für ein Foto zu richten.
Durch die pure ungefilterte Wahrnehmung beim Durchgehen durch die verschiedenen Ebenen, Räume, Gänge, Toiletten, wird und wirkt die Kunst intensiver.
Jeder, der THE HAUS besucht, wird für sich herausfinden, wo er sich wiederfindet. Was gefällt und was vielleicht auch erschreckt. Wo Grenzen überwunden werden und wo neue Gedankenräume sich auftun.


THE HAUS – BERLIN ART BANG, Nürnbergerstraße 68/69, 10787 Berlin

voraussichtlich bis Ende Mai, Di – So 10-20 Uhr, letzter Einlass zw 18.30 und 19 Uhr.


[Gastbeitrag von Isa]

Isa Bader

Isabelle Bader, Texterin und Autorin, gerne auch als Isabelle Bond unterwegs. Sprache ist meine Leidenschaft. Text kann Bilder entstehen lassen, andere Welten näher bringen oder gar in andere Welten entführen. Ich bewege mich auf den verschiedenen Ebenen urbaner Kunst und finde Inspiration im gemeinsamen Austausch und auf Reisen.  

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